ENSEMBLE AVANTAGE
Neue Musik Projekte
Leitung: Jeremias Schwarzer

Das ensemble avantage fand sich erstmals im Jahr 2000 unter der künstlerischen Leitung von Jeremias Schwarzer in Nürnberg zusammen, um neben der Unterstützung junger Komponistinnen und Komponisten Projekte im Bereich der neuen Musik zu realisieren, die sich abseits etablierter Rezeptionsgewohnheiten definieren. Ein Beispiel ist le temps retrouvé- Musik in schwieriger Zeit (2004), in dem die Auseinandersetzung mit „politischer“ Musik den Schwerpunkt des Programms bildet.
Regelmäßige Produktionen für den Bayerischen Rundfunk (Porträtaufnahmen mit Werken von Karola Obermüller, Samir Odeh- Tamimi, Marko Zdralek, Matthias Hofmann u.a.) ergänzen die Aktivitäten des Ensembles.

Musikbeispiel:

Samir Odeh-Tamimi:
Nami (Konzertmitschnitt)
Petra Hoffmann, Sopran
ensemble avantage
Leitung: Jeremias Schwarzer




Myriam Marbe
Le temps retrouvé
Petra Hoffmann, Sopran
ensemble avantage
Leitung: Jeremias Schwarzer
 

 

 

 

PROGRAMMBEISPIEL:
LE TEMPS RETROUVÉ - NEUE MUSIK IN SCHWIERIGER ZEIT (2004/2005)

Werke von myriam marbe (le temps retrouvé),
samir odeh- tamimi (UA),
karola obermüller (UA),
matthias hoffmann (UA, Jakob- Brendel- Förderpreis für neue Musik 2004)

 

Das Projekt

1982 wurde die rumänische Komponistin Myriam Marbe, deren Position in der jüngeren Musikgeschichte als „eine der wichtigsten Komponisten unserer Zeit“ (G. Kurtág) inzwischen international akzeptiert ist, von einem rumänischen Ensemble mit alten Instrumenten gebeten, Bearbeitungen byzantinischer Gesänge anzufertigen. Statt einer Bearbeitung schuf sie ein neues Werk, das zwar byzantinische Melodien verwendet, diese aber neu zusammenstellt, zum Teil gleichzeitig erklingen läßt, Improvisation mit einbezieht und so einen Klangraum öffnet, der die Zuhörer in seiner undramatischen Entwicklung und meditativen Dauer in einen Zustand unintellektueller Wahrnehmung versetzt - Ritualmusik, die nicht stilgebunden ist.
Die ungewöhnliche Besetzung (Sopran, Blockflöte, 3 Bratschen, 2 Gamben, Cembalo), die bei der gleichzeitigen Größe des Ensembles bis heute die Aufführung dieses Stückes erschwert, war Anlaß, für ein Konzertprogramm weitere Kompositionen in Auftrag zu geben, die zu den klanglichen, gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen des Werkes von Myriam Marbe Stellung beziehen.
Dafür konnten drei KomponistInnen der jüngeren Generation gewonnen werden, die sich an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung befinden.

 

 

 

 
 

Myriam Marbe

   
 

Geboren am 9. April 1931, Bukarest, Rumänien. Der Vater, Max Marbe, war Wissenschaftler (Bakteriologe) am Forschungsinstitut Cantacuzino in Bukarest. Die Mutter, Angela Marbe, geb. Valter, war Pianistin und Klavierlehrerin. Sie wuchs in einer sehr kultivierten und künstlerischen Atmosphäre auf, die auch von einem starken Hang zur Familie geprägt war. Erste Probleme begannen mit dem Krieg und später durch die russische Okkupation und den realen Sozialismus.
1963 heiratete Myriam Lucia Marbe Aristide Poulopol (gestorben 1989). Ihre Tochter Maria Nausicaa Poulopol Marbe (geboren 1963) ist Journalistin und Schriftstellerin und lebt in den Niederlanden.
Myriam Marbe starb Weihnachten 1997 unerwartet an den Folgen eines Schlaganfalls.
Erste Klavierstunden erhielt Myriam Marbe bei ihrer Mutter. Ihre weitere Ausbildung absolvierte sie an der Bukarester Musikhochschule in den Klassen von Florica Musicescu und Silvia Capatana. Komposition studierte sie in den Klassen von Leon Klepper und Mihail Jora. Die Studien begannen parallel mit dem Besuch des Gymnasiums, 1944, direkt nach dem Krieg und endeten 1954. Für ihre weitere Bildung sind einige Professoren zu nennen, die in der Zeit der kommunistischen Machtübernahme als ethische und künstlerische Persönlichkeiten für sie wichtig wurden: der Komponist Mihail Andricu, der sehr schnell zur "persona non grata" erklärt wurde, der früh gestorbene Theodor Rogalski sowie Tudor Ciortea.
1953-1954 arbeitete sie als Filmredakteurin in der "Casa de film", Bukarest.
Von 1954 bis 1988 lehrte sie an der Bukarester Musikhochschule Kontrapunkt und Komposition. Da sie sich weigerte, Mitglied in der kommunistischen Partei zu werden, blieb sie lange Zeit lediglich Assistentin. Die Ernennung zur Professorin blieb bis zum Schluß aus, obwohl sie auf diesem Niveau tätig war. 1988 verzichtete Myriam Marbe auf ihren Lehrstuhl um leichter ins Ausland reisen zu können (Angestellten wurde die Ausreise meistens verweigert), blieb aber weiterhin mit den Studenten verbunden.
Neben ihren Kompositionen arbeitete sie auch als Musikwissenschaftlerin und Publizistin in diversen Medien. Sie veröffentlichte vor allem Analysen und Essays über Stilkritik.Die Monographie "George Enescu", an der sie als Koautorin mitgearbeitet hatte, wurde von der rumänischen Akademie und der Academie des Beaux-Arts, Paris, ausgezeichnet. Ihre Kompositionen gewannen verschiedene Preise in Rumänien (Rumänische Akademie und Komponistenverband) und im Ausland, u.a. mehrere Gedok-Preise in Mannheim und den Heidelberger Künstlerinnen-Preis.
Ab 1967, als sich zum ersten Mal die Grenzen Rumäniens ein wenig öffneten (um sich anschließend wiederzu schließen) , konnte sie einige Male ins Ausland reisen. Sie durfte 1968, 1969 und 1972 an den Darmstädter Ferienkursen teilnehmen und 1971 am Festival für zeitgenössische Musik in Royan, wo u.a. ihr in Rumänien verbotenes Stück "Jocus secundus" uraufgeführt wurde.
Seit Mitte der 80er Jahre wurde sie zunehmend auch in Deutschland und in der Schweiz aufgeführt. 1989 bis 1990 hatte sie ein Arbeitsstipendium der Stadt Mannheim. Seit 1990 intensivierte sie ihre Verbindungen in den Westen. Ihre Musik wurde in verschiedensten Festivals und Konzerten aufgeführt.

 

 

 

 
 

Karola Obermüller

   
 

Karola Obermüller wurde am 21.03.1977 bei Darmstadt geboren. Die musikalische Ausbildung begann in ihrem fünften Lebensjahr an der Akademie für Tonkunst Darmstadt, wo sie in Klavier, Violoncello, Komposition (bei Cord Meijering), Gehörbildung, Musiktheorie und Gesang unterrichtet wurde. Nach dem Abitur 1996 in Darmstadt studierte sie bis 2001 am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg bei Volker Blumenthaler. Neben ihren musikalischen Studien nahm sie 1997/98 einige Semester als Gasthörerin an Philosophie-Vorlesungen in Erlangen teil. 1998 erhielt sie ein Stipendium der Erna Köhler-Stiftung, 1999 war sie Preisträgerin des Kulturforums Franken. In den Jahren 2000 bis 2002 studierte sie an der "Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg" Musikpädagogik.Im August 2001 war sie als Komponistin zum "CrossSound-Festival for Contemporary Music Alaska/USA 2001" eingeladen. Dort wurde u.a. ihr von CrossSound in Auftrag gegebenes Werk "the great secret lies" uraufgeführt. Seit Oktober 2001 studiert Karola Obermüller Komposition im Aufbaustudium an der "Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater" bei Theo Brandmüller sowie Komposition, Dirigieren und Elektronische Musik an der "Universität Mozarteum Salzburg" bei Adriana Hölszky. Im November 2001 hielt sie einen Gastvortrag an der "New York University" über das Projekt "change/exChange - orpheus?" – eine Kollaboration des "studio für neue musik" der HfM Nürnberg-Augsburg und der NYU. Im Januar 2002 wurde ihr der "Bayerische Jugendpreis 2001 im Fach Komposition" des "Indien-Instituts München" durch Zubin Mehta verliehen. Im Anschluß daran verbrachte sie als Stipendiatin des Indien-Instituts einen Studienaufenthalt in Chennai und Delhi. Im Mai 2002 fand die Uraufführung ihres Orchesterstückes "Im Vorraum" bei der "Saarbrücker Komponisten-Werkstatt 2002" im Rahmen des SR-Festivals "Musik im 21. Jahrhundert" durch das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Saarbrücken unter der Leitung von Manfred Schreier statt. Im Oktober 2002 erhielt Karola Obermüller von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin ein Stipendium für einen zweimonatigen Aufenthalt am Deutschen Studienzentrum in Venedig. Im November 2002 war die Uraufführung von "Kalpa >< Pralaya" für Bansari, Sitar, Mridangam und mittleres Orchester durch das Arcis-Ensemble unter der Leitung von Ulrich Nicolai in der HfM München zu hören. Diese Komposition Karola Obermüllers gründet sich auf ihre in Indien gemachten Erfahrungen. Die Komponistin arbeitet mit Ensembles wie dem "ensemble phorminx" und dem "KlangKonzepteEnsemble" zusammen. Seit 2003 studiert sie als Stipendiatin an der Harvard- University, Boston.

 

 

 

 
 

Samir Odeh-Tamimi

   
 

Samir Odeh-Tamimi, geboren 1970 bei Tel-Aviv, spielte mehrere Jahre mit verschiedenen namhaften Ensembles für arabische traditionelle Musik. 1992-96 Studium der Musikwissenschaften an der Christian-Abrechts-Universität zu Kiel, anschliessend Komposition bei Prof. Younghi Pagh Paan und Günter Steinke an der Hochschule für Künste Bremen. Seit einigen Jahren intensive Beschäftigung mit Koranrezetierungen und im Islam verwurzelten religiösen Ritualen. 1999-2000 Stipendium des Arab Studend Aid Inernational Foundation 2002 Stipendium des DAAD der Hochschule für Künste Bremen Auffürungen seiner Werke in Deutschland, Italien, Österreich, Israel und der Schweiz, u.a.:NachtTräume ZeitRäume Festival, Bremen 2000; Ruben Academy of Music Tel-Aviv; 2003 Staatstheater Wiesbaden, Brennpunkt Palästina/Israel; MOUVEMENT ,,Perspektiven Neuer Musik‘‘ 2004 (Saarbrücken). Auftrag für ein Orchesterstück für die Donaueschinger Musiktage

 

 

 

 
 

Matthias Hoffmann

   
 

Matthias Hoffmann, 1973 in Jugenheim a.d. Bergstraße geboren, begann seine musikalische Ausbildung an der Akademie für Tonkunst Darmstadt in Violoncello, Komposition, Musiktheorie, Gehörbildung und Klavier Von 1996 bis 2002 Studium der Komposition an der Musikhochschule Nürnberg- Augsburg bei Cord Meijering und Volker Blumenthaler. Stipendium der Gedächtnisstiftung Ruprecht der Stadt Fürth (Bayern). Im November 2001 hielt er einen Gastvortrag an der "New York University" über das Projekt "change/ex Change - orpheus?" – eine Kollaberation des "studio für neue musik" der HfM Nürnberg-Augsburg und der NYU. Seit dem SS 2002 weiterführende Studien in Komposition (Prof. Violeta Dinescu) und Philosophie an der Universität Oldenburg. 2004 Hauptpreis des 7. Kompositionswettbewerbs um den "Carl von Ossietzky Preis“, Oldenburg. 2003/2004 Portraitaufnahmen und Konzertmitschnitte des Bayerischen Rundfunks

 

 

 

 
 

Petra Hoffmann

   
 

Petra Hoffmann, Sopran, studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main bei Prof. Elsa Cavelti Gesang. Die mehrfache Stipendiatin besuchte neben der Opernschule die Liedklasse bei Prof. Charles Spencer sowie Meisterkurse bei Paul Esswood und Sir John Eliot Gardiner. In zahlreichen Gastverträgen u.a. als Blondchen (Entführung aus dem Serail), Frasquita (Carmen), Lenio (Griechische Passion), Zerlina (Don Giovanni), Königin der Nacht (Zauberflöte) und Liederabenden wurde sie u.a. an die Opéra de la Monnaie Brüssel, die Opera Real Madrid, das Bayerische Staatsschauspiel Marstall und an das Teatro La Fenice, Venedig verpflichtet. Petra Hoffmann ist regelmäßig bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen, Biennale di Venezia, Steirischer Herbst, Festwochen Luzern, Wien Modern, musica viva München, Ruhrtriennale, Akiyoshidai Interntional Contemporary Music Festival in Japan zu Gast.
Ihre rege Konzerttätigkeit führte zu einer künstlerischen Zusammenarbeit mit Orchestern und Ensembles wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Gustav Mahler Jugendorchester, Klangforum Wien, Ensemble Modern und dem ensemble recherche unter Dirigenten wie Ingo Metzmacher, Peter Eötvös, Frieder Bernius, Antonio Pappano, Kwamé Ryan, Emilio Pomarico, Sylvain Cambreling und Mark Foster. Zahlreiche CD- TV- und Rundfunkproduktionen dokumentieren das breitgefächerte Repertoire der Sopranistin.

     
     
    Seitenanfang